TIPPS & TRICKS Die Meinung, dass Bonsai heikel und schwierig zu pflegen sind und oft schon einige Wochen nach dem Kauf eingehen, ist weit verbreitet. Zwar mag diese Ansicht aufgrund der negativen Erfahrungen, die häufig dahinter stecken, durchaus berechtigt sein, doch muss sie relativiert werden. Wenn ein Bonsai Probleme macht oder gar eingeht, ist dies nicht etwa ein unausweichliches Schicksal, sondern es gibt stets konkrete Ursachen dafür. Die Hauptprobleme sind erstens Unwissenheit und zweitens ein unlauteres Geschäfts-Gebaren, das manche Anbieter und Importeure von Bonsai an den Tag legen. Bonsai werden nicht nur aus China und Japan, sondern auch aus Thailand, Taiwan, Korea und anderen tropischen und subtropischen Ländern importiert, in denen die Produktionskosten niedrig sind. Bei ihrer Ankunft in Europa haben diese Bäume oft eine monatelange Reise hinter sich, bei der sie in dunkle Container eingeschlossen waren und häufig nur unzureichend mit Feuchtigkeit versorgt wurden. So erleben sie zunächst einen richtigen Schock. Außerdem sind sie oft in blanken Lehmboden oder Kies eingepflanzt, der ohne tägliches Wässern sehr hart wird, was die Pflanzen ebenfalls schwächt. Manche Pflanzen sitzen auch in reinem Humusboden, was mit der Zeit unweigerlich zu Wurzelfäule oder zu vertrocknen führt wenn man sich als Bonsaianfänger noch nicht so auskennt mit dem Gießen. Es gibt durchaus spezialisierte Bonsai-Anbieter, bei denen die neu angelieferten Pflanzen sogleich in ein durchlässiges Substrat, wie beispielsweise AKADAMA oder LAVA eingepflanzt werden, die unserem Klima angemessen ist und in der vor allem die Wurzeln wieder atmen können. Doch meistens trifft man auf Garten-Center, die Bonsai einkaufen oder importieren und sie sofort weiterverkaufen, ohne sie zuvor umzutopfen oder zumindest eine Zeit lang an unser Klima zu gewöhnen. In solchen Fällen ist der Tod des Bonsai meist vorprogrammiert. Auch bezüglich der Unwissenheit sind vor allem die Bonsai-Anbieter gemeint, die sich mit der Pflege dieser Pflanzen oft überhaupt nicht oder nur unzureichend auskennen. So werden z.B. auch sehr oft Freilandbonsai als Zimmerbonsai angeboten, was den unweigerlichen Tod der Pflanzen bei falscher Kultur bedeuten würde. Oder es werden Bäume aus den Tropen angeboten die für unser Klima überhaupt nicht geeignet sind. Daher sollte man Bonsai nur von Bonsai-Fachgeschäften oder von speziellen Bonsai-Gärtnereien beziehen und sich Pflegehinweise für die jeweilige Pflanze mitgeben lassen. Darüber hinaus sollte man darauf achten, dass das Substrat locker, das Laub saftig grün ist und die Triebspitzen zumindest Anzeichen von Wachstum zeigen. Nur so hat man die Gewissheit, eine gesunde Pflanze erworben zu haben, die sich auch bereits an unser Klima gewöhnt hat. Alles Weitere hängt von der eigenen sorgfältigen Pflege des Bonsai ab. Die etwas andere Art der Bonsai-Pflege von Walter Pall können Sie sich hier als PDF-Datei herunterladen. Es werdendort insbesondere die Thematiken Substrat, Wässern und Düngen angesprochen. Ein Blick darauf ist lohnenswert. Im Folgenden finden Sie alles Wichtige von uns zusammengefasst: Der richtige Standort Der beste Standort eines Bonsai, egal ob Indoor oder Outdoor, (Outdoors gehören selbstverständlich immer ins Freie) ist im Sommer im Freien auf der Terrasse, auf dem Balkon oder an einem schönen Platz im Garten. Dort ist der Baum den Witterungs- einflüssen Sonne, Wind, Regen ausgesetzt, die er braucht, um sich richtig entwickeln zu können. Wird z.B. Chinesische Ulme ganzjährig im Zimmer gehalten entwickelt sie lange spießige Triebe, die man nicht in den Griff bekommt und eh abschneiden muss. Außerdem hat man vor allem mit Spinnmilben und sonstigem Ungeziefer zu kämpfen. Am besten stellt man diesen Baum im Frühjahr ins Freie, und überwintert ihn kühl bis 10 C°. Er verliert zwar dann die meisten seiner Blätter, treibt aber dafür im Frühjahr umso schöner wieder aus. Selbstverständlich müssen die Bäume aus den Tropen oder Subtropen im Winter ins Haus genommen werden. Dort sollten Sie dann je nach Art, kühl oder etwas wärmer überwintert werden. Bitte achten Sie auch darauf, dass Laubbäume mit empfindlichen zarten Blättern wie z.B. Ahorn im Sommer nicht den ganzen Tag in der prallen Sonne stehen dürfen, da sonst unschöne Verbrennungen an den Blättern auftreten. Stellen Sie diese Bäume so auf, dass diese entweder nur die Morgensonne oder nur die Nachmittagssonne bekommen. Denken Sie auch daran, diese Bäume rechtzeitig an die Sonne zu gewöhnen, d.h. sie bereits im zeitigen Frühjahr in die Sonne zu stellen, wenn diese noch nicht so stark ist. So können die Bäume Sonnen- und Schattenblätter bilden. Folgende, als Indoors angebotene Arten sollten besser kühl (Temperatur bis 10°C+) überwintert werden: Chinesische Ulme (Ulmus parvifolia) Sageretia (Sageretia theezans) Pfefferbaum (Zanthoxylum piperitum) Liguster (Ligustrum japonica u. chinensis) Pistazie (Pistacia vera und lentiscus) Alle Zitrusgewächse Olive (Olea europaea) Rosmarin (Rosmarinus officinalis) Sauerdorn (Berberis thunbergii) Steineibe (Podocarpus macrophyllus) Granatapfel (Punica granatum) Drillingsblume (Bougainvillea glabra) Buchsbaum (Buxus harlandii und sempervirens) Kamelie (Carmelia japonica) Goldzypresse (Cupressus macrocarpa ´Gold Crest´) Krappmyrte (Lagerstroemia indica) Myrte (Myrtus communis) Baum der 1000 Sterne oder Junischnee (Serissa foetida) Korallen-Ölweide (Elaeagnus umbellata) Etwas schwieriger in der Pflege ist z.B. Fukien-Tee (Carmona bzw. Erethia microphylla) und zum Kauf nur für erfahrenen Bonsailiebhabern zu empfehlen. Sollten Sie dennoch einmal eine Carmona erstanden haben, stellen Sie den Baum im Sommer ins Freie an einen halbschattigen Standort. Ende September wieder ins Haus an einen hellen warmen Fensterplatz stellen und in der Woche 2-3 Mal mit Wasser übersprühen. Zudem liebt Carmona als Pflanzsubstrat reines AKADAMA und BIMS. Folgende, als Indoors angebotene Arten können warm (Temperatur bis 22°C+) überwintert werden: Alle Gummibäume (Ficus) Fukien Tee (Erethia microphylla bzw. Carmona microphylla) Geldbaum (Crassula arborescens) Elefantenbaum (Portulacaria afra) Australische Buschkirsche (Eugenia myrtifolia) Baumstammkirsche Jabuticaba (Myrciaria cauliflora) Taubenbeere (Duranta) Weißbunter Liguster (Ligustrum variegata) Orangenjasmin (Murraya paniculata) Folgende als Outdoors angebotene Arten sollten im Winter vor strengem Frost geschützt werden: Alle japanischen Ahornarten (Acer) Alle japanischen Azaleen (Satzuki Azalee) Alle Buchenarten (Fagus) Chinesicher Wacholder (Juniperus chinensis) Japanische Schwarzkiefer (Pinus thunbergii) Für die Überwinterung der Bäume bis 6°C+ eignet sich ein ungeheizter, heller Kellerraum, eine Garage oder ein helles Treppenhaus bzw. Wintergarten und Gewächshaus. Gießen und Tauchen Ein Bonsai darf nie völlig austrocknen, weil sonst die feinen Wurzeln absterben würden. Die Erde sollte also zu jeder Jahreszeit leicht feucht sein (nicht nass). Wenn der Baum dann doch einmal etwas trockener wie normal geworden ist, stellt man ihn bis zum Schalenrand ins Wasser, damit er sich wieder richtig voll saugen kann. Dies nützt allerdings nichts mehr, wenn das Tauchen versehentlich über mehrere Tage vergessen wurde, weil dann die Wurzeln bereits tot sind und kein Wasser mehr aufnehmen können. Beim Gießen überbraust man die Pflanze mit Regenwasser oder Leitungswasser und verwendet dazu eine sehr feine Brause, damit das Substrat nicht ausgeschwemmt wird. Gut geeignet sind auch hierfür die Kolbenhubspritzen der Firma GLORIA, weil diese sehr fein sprühen und dadurch nichts weggeschwemmt werden kann. Beim Überbrausen werden auch die Blätter von Staub gereinigt und die Luftfeuchtigkeit wird für einige Zeit erhöht. Das Gießen wird so lange fortgesetzt, bis das Wasser durch die Abzugslöcher am Schalenboden wieder austritt. Wie bei allen Pflanzen ist das Gießen über die Blätter bei starker Sonne zu vermeiden. Anmerkung: Es ist allgemein besser den Baum zu tauchen, weil so sichergestellt wird, dass auch die feinen Faserwurzeln im untersten Bereich der Schale mit Wasser versorgt werden. Vor jedem Tauchbad das Substrat des Bonsai etwas antrocknen lassen. Denken Sie daran: Zu viel Wässern ist genauso schädlich wie zu wenig Wässern! Versuchen Sie stets eigene Erfahrungen zu sammeln und ein gesundes Mittelmaß zu finden. Düngen Wenn Sie modernes Substrat (siehe oben “Methoden von Walter Pall”) verwenden, düngen Sie öfter als normal. BIO-GOLD als Dünger hat sich sehr gut etabliert und kann von uns nur empfohlen werden. Natürlich können Sie zusätzlich auch noch einen Flüssigdünger aus unserem Sortiment (siehe Online-Shop) verwenden. Blühende Azaleen werden während der Blüte nicht gedüngt! Folgende Dünger-Sorten können wir aus eigener Erfahrung empfehlen: BONSAI DÜNGER der Firma GABI KAMELIEN DÜNGER der Firma GABI, auch für Azaleen geeignet MEDITERRANER DÜNGER der Firma GABI KONIFEREN DÜNGER der Firma GABI EISEN DÜNGER der Firma GABI, zur Förderung des Blattgrüns BIO-GOLD, organische Düngesteine zum Auflegen aus Japan GK 365 aus Japan, zur Blattdüngung Schneiden Um die Wuchsform eines Bonsai zu erhalten, müssen Äste, Zweige, Triebe und Wurzeln immer wieder zurück geschnitten werden. Die Häufigkeit des Schneidens richtet sich nach dem Wachstum der jeweiligen Art. Manche Bäume müssen nur einmal im Frühjahr, andere während der gesamten Wachstumsperiode bis in den Herbst hinein geschnitten werden, weil sie immer wieder neu austreiben. Die Wurzeln werden beim Umtopfen um ein bis zwei drittel zurück geschnitten. Der Baum wird immer wieder zur Bildung neuer Wurzeln angeregt und kann dadurch sehr alt werden. Drahten und Spannen von Ästen Eine weitere Methode, um auf die Form eines Bonsai einzuwirken, ist das Drahten oder Spannen von Ästen.Hierzu wird der Stamm, die Äste und Zweige, die geformt werden sollen, spiralförmig mit eloxiertem Aluminiumdraht umwickelt. Man wickelt den Draht straff, aber nicht zu fest in gleichmäßigen Windungen von innen nach außen und bringt dann die Äste und Zweige behutsam in die gewünschte Richtung. Die Korrekturhilfe muss nach einiger Zeit wieder entfernt werden um ein Einwachsen zu vermeiden. Beim Spannen wird ein Aluminiumdraht von unten durch die Abzugslöcher der Schale gezogen und zu einer Öse über der Erdoberfläche gebogen. Anschließend wird ein sogenannter Spanndraht an einem ausgesuchten Ast befestigt. Der Ast wird durch vorsichtiges herunterziehen mit dem Draht in die gewünschte Position gebracht, und an der Öse befestigt. Umtopfen Ein Bonsai sollte je nach Art und Alter nach ein bis vier Jahren umgetopft werden. Das Verpflanzen ist nötig, wenn die Schale zu klein geworden oder das Substrat ausgelaugt ist. Die richtige Zeit fürs Umtopfen ist das Frühjahr und der Herbst, wobei das Frühjahr eindeutig zu bevorzugen ist, mit Ausnahme von Zimmerbonsai, die das ganze Jahr über umgetopft werden können, jedoch auch hier ist das Frühjahr stets zu bevorzugen. Beim Umtopfen gehen Sie folgendermaßen vor: Zuerst legen Sie über die Abzugs- löcher der Bonsaischale Abdecknetze und fixieren diese mit Draht (von oben durch die Löcher stecken und unter der Schale rumbiegen). Dies geschieht um ein hineinkrabbeln von Ungeziefer zu vermeiden und das das Substrat nicht herausrieselt. Danach füllen Sie eine Draignageschicht mit Ihrer Substratmischung (AKADAMA, BIMS, LAVA, KANUMA, KIRYU) in die Schale. Die ganze Mischung ist Draignage, sofern Sie keine Erde verwenden. Anschließend schneiden Sie bei Ihrem Bonsai die Wurzeln um ein bis zwei drittel zurück, setzen ihn aus optischen Gründen etwas links oder rechtsversetzt in die Schale auf die Drainageschicht und füllen mit Ihrer Mischung die Zwischenräume auf. Stochern Sie nun ggf. alles mit einem Stäbchen gut fest. Der Baum muss fest in der Schale sitzen und darf nicht wackeln! Hierzu sollte er mit einem Draht, der durch die Abzugslöcher der Schale geführt wird, fest fixiert werden. Bei einigen Bonsaischalen sind zusätzliche Löcher, um den Bonsai festzubinden, bereits extra vorgesehen. Hinweis: Bei runden Schalen wird der Baum in die Mitte gepflanzt. Wässern Sie ihren Bonsai danach gründlich bis das Wasser aus den Abzugslöchern der Schale hinausfließt. Die richtige Substratmischung Nicht überall wo Bonsaierde draufsteht ist auch Bonsaierde drin! Dies sagen wir auch immer wieder unseren Kunden, die uns dann für eine richtige Aufklärung stets dankbar sind. Vor allem diverse Baumärkte preisen Bonsai-Erde an, die bei näherer Untersuchung nichts anderes ist als TKS 2. Dies wiederum enthält zu viele Anteile an Humus und ist für die Kultivierung von Bonsai nicht geeignet. Vor allem entsteht dadurch sehr schnell Staunässe, woraus sich Wurzelfäule entwickelt und der Baum ist dann meistens nicht mehr zu retten. Dies ist dann genauso schädlich wie Lehmboden, in dem die Pflanzen meistens sitzen wenn sie aus Thailand, China oder Korea importiert werden. Dieser Lehm muss schnellsten entfernt, und der Baum in durchlässiges Substrat eingetopft werden. (Hinweis: Verwechseln Sie Lehm nicht mit AKADAMA). Anstelle gekaufter Bonsaierde aus dem Baumarkt, die sowieso nicht pur verwendet werden darf, mischen Sie sich ihr Substrat lieber selber aus den Bestandteilen AKADAMA, LAVA, BIMS, KIRYU, KANUMA. Je nach Baum ist dies unterschiedlich. Lesen Sie dazu auch den Bericht von Walter Pall über modernes Susbtrat (siehe oben). Es ist durchaus möglich den Baum in reines AKADAMA oder AKADAMA und BIMS oder AKADAMA und LAVA einzupflanzen. Jegliche Art von Erde kann aus eigener Erfahrung von uns nicht empfohlen werden! Wir verwenden modernes Substrat.
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